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Sex und Erotik in der Neuen Musik

Feature zu einem schier überbordenden Thema

Sendung in SWR 2 (JetztMusik) am Montag, dem 19. April 2010, 23.03 bis 0.00 Uhr
  
Audio Thomas Christoph Heyde zur Frage, warum Sex für ein Kunstfestival das richtige Thema ist.
Audio Jürgen Grözinger zur Frage, was an einem Klang erotisch ist.
  
Sex und Erotik in der Neuen Musik? Sex, Sexualität, Eros, Erotik, Liebe, Sehnsucht, Todessehnsucht – jeder dieser Begriffe gebiert neue Assoziationen, die schnell ein Eigenleben führen. Und gerade dort wo Kunst ist, ist immer auch Eros und Sexualität. Dennoch wird sich im Bereich der zeitgenössischen Kunstmusik – der Neuen Musik mit dem großen N – nur selten explizit zu diesem Thema geäußert. Analogien zwischen musikalischer und sexueller Lusterzeugung gelten als neurophysiologisch untermauert, da offenbar alle Lustempfindungen sich derselben Grundmechanismen des Nervensytems bedienen. Aber selbst auf der Opernbühne werden Sex und Erotik nur gelegentlich ganz offen und eindeutig zur Schau gestellt. Im bürgerlichen Konzertsaal tritt das Paar ohnehin nur sehr sublimiert in Erscheinung.
Und in Veranstaltungen der Neuen Musik? Da verstecken sich die beiden erst recht, nämlich hinter sinnenfeindlicher Ratio und kühlem Intellektualismus – mag der eine oder andere denken. Doch Musik wäre nicht Musik, schiene nicht selbst in den keuschesten mathematischen Verhältnissen, selbst in ekstasefreien, nervös vibrierenden Klangnetzen auch irgendwo Begehren und Sinnlichkeit auf. Ein Irrtum also, wenn behauptet wird, Eros und Sexualität existierten nicht in der Neuen Musik. Da muss man nur in die wohlklingenden Dissonanzen aktueller mehrstimmiger Vokalmusik hineinhören oder in die momenthaft in Szene gesetzte, vibrierende Klanglichkeit eines Wolfgang Rihm, einer Adriana Hölszky, eines Helmut Lachenmann oder Salvatore Sciarrino.
Zu Wort kommen zwei Komponisten und Festivalmacher, die in letzter Zeit Sex und Eros zu Themen ihrer Festivals gemacht haben: Thomas Christoph Heyde in Leipzig und Jürgen Grözinger in Ulm.   
  

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